Gutes Leben?
Gutes Leben kann es nur für alle geben
Eine Analyse der Auswirkungen globaler Entwicklung
Gutes Leben kann es nur für alle geben
Einführung in den Hintergrund internationaler „Entwicklungsziele“, schauen eines Videointerviews und Diskussion.
Gutes Leben kann es nur für alle geben
Format: Multimedia
Barrieren: Hören, Sehen
Material: Video, Informationsschreiben, Materialien zum Download, Poster oder Moderationskarten
Zugänglichkeit: Die anleitende Personen sollten sich im Vorfeld über die Idee der „Entwicklung“ und die Situation des Extraktivismus im Globalen Süden informieren, um eine kurze Einführung geben und ggf. Fragen beantworten zu können. Denk daran, dass Themen wie Kolonialismus und soziale Ungleichheiten gegensätzliche Emotionen hervorrufen können. Es ist notwendig, ihnen einen Platz und die Möglichkeit zu geben, sich mitzuteilen, wenn etwas passiert.
Lernziele
Die Teilnehmenden (TN) …
- lernen konkrete Vorstellungen einer nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Gestaltung von Entwicklung kennen und reflektieren diese.
- verstehen die global dominant gewordene Vorstellung von Entwicklung.
- stellen den Zusammenhang zwischen Entwicklung und globalen Gerechtigkeitsfragen her und reflektieren in dem Kontext ihre eigenen Bedürfnisse und Gerechtigkeitsvorstellungen.
- lernen verschiedene Beispiele für Gegenbewegungen und Initiativen kennen, die Alternativen im und zum Kapitalismus entwickeln, fordern und umsetzen.
Ablauf
Hintergrund
Für eine Entwicklungskritik ist es wichtig, die sozio-ökologischen Auswirkungen und ihre kolonialen Kontinuitäten zu analysieren, aber auch zu wissen, welche Alternativen und emanzipatorischen Handlungen möglich sind und zu nachhaltigen Praktiken führen.
Anleitende Personen sollten sich klar sein, dass das Video eine (historische) Perspektive auf die Themen Extraktivismus und Entwicklung darstellt. Wir empfehlen, sich damit vertraut zu machen, um der Komplexität der Themen gerecht zu werden. Dies betrifft einerseits die im Globalen Norden dominante Vorstellung von Entwicklung – Naturbeherrschung durch technologische Entwicklung und Effizienzsteigerung soll Wohlstand für alle schaffen – und die Kritik an dieser Vorstellung.
Andererseits ist es etwa für Regierungen im Globalen Süden oft eine Herausforderung, mit einer extraktivistischen Produktionsweise zu brechen, weil das globale Wirtschaftssystem dies kaum zulässt. Unter diesen Bedingungen finanzieren Regierungen mit Interesse an sozialer Gerechtigkeit immer wieder Sozialprogramme über die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen. Wenngleich Abbaurechte häufig an Unternehmen aus dem Globalen Norden vergeben werden, gilt dies nicht pauschal, da mit der Globalisierung imperialer Lebens- und Produktionsweisen auch international operierende Unternehmen aus Ländern des Globalen Südens entstanden sind, die wiederum in anderen Ländern des Globalen Südens extraktivistisch aktiv sind. Schließlich möchten wir darauf hinweisen, dass das Video letztlich zuspitzt. Auch innerhalb des Globalen Südens ist die Frage, auf welche Art gesellschaftliche Entwicklung stattfinden soll und wie ein Gutes Leben für alle aussehen könnte, kontrovers.
Vorbereitung
Der*die anleitende Person macht sich mit dem Video „Polluters and Plunderers: The Roots of Africa’s Crises“ (eigene Übersetzung: „Verschmutzer und Plünderer: die Wurzeln der Krisen in Afrika.“) vertraut. Um das Verständnis des Videos zu unterstützen, empfehlen wir, die folgenden Phasen, die in dem Kurzfilm gezeigt werden, auf Flipchartpapier oder Moderationskarten zu visualisieren:
- 1. Autonomie und Selbstversorgung
- 2. Industrialisierung, Gewalt und Vertreibung von Völkern
- 3. Unternehmerischer Reichtum und Unternehmen
- 4. Organisieren für soziale Gerechtigkeit
- 5. Unabhängigkeit der afrikanischen Länder
Durchführung
1. Einführung (5 Minuten)
Zu Beginn sollten der Kontext des Videos erklärt werden. Je nach Wissensstand der TN stellen die anleitenden Personen den grundlegenden Hintergrund der Definition von „Entwicklung“ oder „Extraktivismus“ vor oder erarbeiten ihn mit der Gruppe.
2. Video (15 Minuten)
Die TN werden in 5 Kleingruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält die Aufgabe, sich während des Films auf eine der Phasen besonders zu konzentrieren.
Das Video „Polluters and Plunderers: The Roots of Africa’s Crises“ (eigene Übersetzung: „Verschmutzer und Plünderer: die Wurzeln der Krisen in Afrika.“) wird gezeigt. Die TN können sich während der Sequenz, die für sie besonders relevant ist, Notizen machen.
Danach setzen sich TN aus jeder Kleingruppe zusammen (Gruppenpuzzle) und tauschen sich über die verschiedenen Phasen des Videos aus. Danach können folgende Fragen in die Diskussion eingebracht werden:
- Was sind historische Hintergründe für aktuelle Herausforderungen auf dem afrikanischen Kontinent, die in dem Film thematisiert werden?
- Könnt ihr in den Ereignissen des Videos Merkmale der folgenden Aspekte erkennen: Entwicklung, Ausbeutung von Ökosystemen, Extraktivismus, soziale Bewegungen, Kolonialismus oder koloniale Kontinuitäten?
3. Alternativen kennenlernen (30 Minuten)
Die TN bleiben in den aktuellen Gruppen. Jede Gruppe erhält eine der Karten mit einem Beschreibungstext von Beispielen für Alternativen.
Auf diesen Karten können die TN Beispiele für Alternativen kennenlernen, die Ideen von Postentwicklung, Transformationsprozessen von unten und Aktionen für die Unabhängigkeit von Gruppen oder Gemeinschaften in kolonialisierten Ländern vorschlagen.
- Chipko-Bewegung Indien
- Prozess der schwarzen Gemeinschaften (Process of Black Communities – PCN)
- La Via Campesina
- Swaraj oder Radikale Ökologische Demokratie (Swaraj or Radical Ecological Democracy (Eco-Swaraj))
- Postwachstum (Degrowth)
Jede Gruppe liest den Inhalt des entsprechenden Briefes und arbeitet die zentralen Forderungen und Inhalte heraus. Außerdem überlegt sie, wo es Anküpfungspunkte zur eigenen Region, oder zum eigenen Umfeld gibt.
Die Gruppen präsentieren nacheinander jeweils eine Alternative.
4. Auswertung (10 Minuten)
Zum Abschluss findet ein Austausch in der Großgruppe statt. Mögliche Fragen dafür sind:
- Was sollten wir von unseren Entscheidungsträger*innen im Globalen Norden fordern?
- Worauf sollten wir achten, wenn wir entwicklungspolitisch oder zivilgesellschaftlich aktiv sind?
- Wie kann der Kontakt und Austausch zwischen Bewegungen im Globalen Süden und im Globalen Norden auf Augenhöhe stattfinden?
Die Ergebnisse der Diskussion können auf einem Flipchart oder auf separatem Flipchartpapier dargestellt werden.
Tipps und Hinweise für Anleitende
Content Note: Wie im Vorbereitungsteil erwähnt ist es wichtig, die TN auf den Inhalt aufmerksam zu machen – insbesondere diejenigen, die direkt vom Kolonialismus betroffen sind –, um die sozialen Ungleichheiten und die emotionalen Auswirkungen zu erkennen, die dieser verursacht. Schaffe Raum für Solidarität mit ihren Gefühlen und ermögliche Räume, die sensibel für Diskriminierung und Vorurteile sind. Der hier verwendete Entwicklungsbegriff wird auch von vielen Stimmen aus dem Globalen Süden kritisch gesehen.
Diskriminierungssensibilität und Machtverhältnisse:
Sei dir als anleitende Person verschiedener Positionierungen in der Gruppe bewusst und sprich das ggf. sensibel an. Achte auf mögliche Machtverhältnisse in der Gruppe und darauf, dass diskriminierende Aussagen oder Verhaltensweisen als solche problematisiert werden, wenn sie aufkommen. Achte dabei zum einen insbesondere darauf, von Diskriminierung Betroffene und deren Bedürfnisse im Blick zu haben. Übe dich zum Anderen darin, nicht die TN an sich zu bewerten oder abzuwerten, sondern deren diskriminierende Aussagen oder Verhaltensweisen kritisch zu thematisieren.
Mehr Information, hilfreiche Tipps und Methoden zu Diskriminierungssensibilität in Bildungsräumen findest du z.B. in der Broschüre der Bewegungsakademie: https://bewegungsakademie.de/awareness-in-bildungsraeumen/
Einfache Sprache: Es ist ratsam, die Sprache einfach zu halten. Wenn man über Kolonialismus und Entwicklung spricht oder nach Informationen sucht, kann man Informationen oder Inhalte finden, die etwas komplex oder akademisch sind. Denk an die Zielgruppe, die angesprochen werden soll, und entscheide entsprechend über die Tiefe der Annäherung an die Themen. Wir empfehlen den anleitenden Personen, darauf zu achten und schwierige Ausdrücke explizit zu erklären.
Quellen und Weiterführendes
WoMin African Alliance (https://womin.africa/)
WoMin ist ein Bündnis von Organisationen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, das mit nationalen und regionalen Bewegungen und Frauenorganisationen sowie mit Gemeinden zusammenarbeitet, die von Bergbau- und Mega-Infrastrukturprojekten betroffen sind, um die Auswirkungen des Extraktivismus auf afrikanische Frauen aufzudecken und gerechte auf Frauen ausgerichtete Entwicklungsalternativen zu fördern. WoMin arbeitet in elf Ländern im westlichen, östlichen und südlichen Afrika, um eine radikale afrikanische ökofeministische Agenda in die Diskussion über die Klimakrise, Klimagerechtigkeit und Wege zum Schutz der Zukunft des Planeten und seiner Menschen vor den Konzernen, den mit ihnen verbündeten Regierungen und Eliten im Globalen Norden und Süden einzubringen.
WoMin African Alliance, „Polluters and Plunderers: The Roots of Africa’s Crises“, 24.10.2024.
Karten:
- Chipko-Bewegung Indien
Right Livelihood. Laureates. “The Chipko Movement”, 24.10.2024
- Prozess der schwarzen Gemeinschaften (Process of Black Communities – PCN)
Proceso De Comunidades Negras (PCN), “Reparación histórica“ 24.20.2024.
- La Via Campesina
La Via Campesina. „About La Via Campesina“. 24.10.2024
- Swaraj oder Radikale Ökologische Demokratie (Swaraj or Radical Ecological Democracy (Eco-Swaraj)
Ashish Kothari, Ariel Salleh, Arturo Escobar, Federico Demaria, and Alberto Acosta. „Pluriverse. A POST-DEVELOPMENT DICTIONARY“ Prakritik Swaraj (283). Radical Ecological Democracy (289). Tulika Book. India, 2019.
- Postwachstum (Degrowth)