Bildungsmaterialien für eine sozial-ökologische Transformation

Über die Methoden

Über die Methoden

Soziale Ungleichheiten, die Klimakrise und weitere sich zuspitzende Krisen machen diese Zeiten sehr herausfordernd – auch für Lehrpersonen und Bildungsreferent*innen. Unsere Methodenplattform bietet Methoden, Inhalte und Impulse, um die Komplexität unserer Welt gemeinsam in Lernräumen zu erkunden und Ohnmacht sowie Hoffnungslosigkeit etwas entgegenzusetzen.

Die Methoden richten sich vor allem an Menschen ab 15 Jahren. Sie fördern das Verständnis globaler, gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und sozial-ökologischer Zusammenhänge, stärken kritische Analyse und eigene Meinungsbildung und eröffnen Handlungsperspektiven – im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

In den Methoden wird ein großer Wert auf eine machtkritische Haltung gelegt. Sie bauen auf dem Konzept der transformativen Bildung auf und beziehen Kopf, Herz und Hand mit ein. Mehr zu unserer Bildungsarbeit und unserem Bildungsverständnis findet ihr auf unserer Website.


Ziele und Inhalte der Methodenplattform

Die Bildungsmethoden regen zu einem Umgang mit der Komplexität der Welt und sozial-ökologischen Herausforderungen an. Dazu gehört, die Privilegien des Globalen Nordens und das dort dominierende Wohlstands- und Wachstumsmodell zu benennen und zu hinterfragen. Uns ist wichtig, marginalisierte Perspektiven sichtbar zu machen, Reflexionsräume zu öffnen und Handlungsspielräume zu erweitern.

Zentrale Fragen sind:


Zielgruppen

Die Methodenplattform richtet sich an alle, die pädagogisch mit Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen arbeiten. Besonders eignen sich die Methoden für Menschen zwischen 15 und 30 Jahren, u. a. für Schülerinnen ab Klasse 10, Auszubildende und Berufsschülerinnen, Teilnehmende an Freiwilligendiensten (z. B. FSJ, FÖJ, BFD, weltwärts), Jugendgruppen sowie Studierende.


Aufbau der Methodenplattform

Die Plattform umfasst sieben thematische Kategorien mit vielfältigen Methoden: Alternativen, Arbeit & Care, Digitalisierung, Ernährung, Gutes Leben, Ökologie und Wachstum. Die Kategorien dienen der Orientierung, überschneiden sich aber bewusst, um Intersektionalität zu stärken. Eine globale Gerechtigkeitsperspektive steht in allen Bereichen im Mittelpunkt.

Alternativen

Diese Kategorie macht bestehende und denkbare Alternativen zu einer sozial-ökologisch gerechten Welt erfahrbar und zeigt Wege zu mehr Gerechtigkeit auf.

Arbeit & Care

Hier geht es um bezahlte und unbezahlte Arbeit, Geschlechtergerechtigkeit und Zeit. Was wäre, wenn Sorgearbeit im Zentrum von Wirtschaftspolitik stünde – statt Profiten und Wachstum?

Digitalisierung

Die Methoden beleuchten, wie Digitalisierung Leben, Arbeit und Wirtschaft verändert, welche sozialen und ökologischen Folgen sie hat und wie sie demokratischer und gerechter gestaltet werden kann.

Ernährung

Diese Kategorie hinterfragt das wachstums- und profitorientierte Ernährungssystem und thematisiert Wege zu einer sozial-ökologisch gerechten Lebensmittelproduktion.

Gutes Leben

Im Fokus stehen gesellschaftliche Ungleichheiten und unterschiedliche Vorstellungen von Wohlstand. Was bedeutet ein Gutes Leben für mich – und welche Verantwortung trage ich für ein Gutes Leben für alle?

Ökologie

Die Methoden setzen sich mit planetaren Grenzen, Klimagerechtigkeit und der Verantwortung gesellschaftlichen Handelns auseinander. Wie kann eine nachhaltige Beziehung zwischen Menschen und Natur aussehen?

Wachstum

Ausgehend von der Frage „Was wächst, wenn die Wirtschaft wächst?“ setzen sich die Methoden kritisch mit Wirtschaftswachstum, grünem Wachstum und Postwachstumskonzepten auseinander.


Barrieren

Mögliche Barrieren werden zu Beginn jeder Methode gekennzeichnet. Wir unterscheiden die Bereiche Sehen, Hören, Lesen, Schreiben, Motorik, Bewegung und Komplexität. Die Angaben zeigen Anforderungen der jeweiligen Methode – durch Anpassungen lassen sich Barrieren jedoch häufig abbauen, etwa durch Vorlesen, Audiobeschreibungen, vermehrte Nutzung von Bildsprache, Verdolmetschung (auch in Gebärdensprache), weniger Bewegung oder vereinfachte Abläufe. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.


Verwendete Sprache

Sprache prägt Normen und Machtverhältnisse und ist auch ein Schlüssel für gesellschaftliche Veränderung. In unserem Glossar „Wörter des Globalen Lernens“sind Begriffe in leichter Sprache und mehrsprachig beschrieben, die häufig in unseren Methoden vorkommen. Um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten abzubilden, verwenden wir möglichst genderneutrale Sprache und ansonsten das Gendersternchen (*).


Warum „Endlich Wachstum“?

Wirtschaftswachstum wird noch immer selten hinterfragt – oft mit dem erleichterten Ausruf: „Endlich Wachstum!“. Doch Wachstum muss endlich sein, wenn planetare Grenzen ernst genommen werden sollen. Ressourcenverbrauch, Klimakrise und Biodiversitätsverlust zeigen deutlich: Ein Weiter wie bisherWeiter-so ist nicht möglich.

Zugleich verschärft das wachstumsbasierte System soziale Ungleichheiten. Vor allem Menschen im Globalen Süden leiden unter dem Lebensstil des Globalen Nordens, der auf Ausbeutung und Wachstum beruht. Ein Gutes Leben für alle erfordert daher eine grundlegende Kritik und Veränderung des bestehenden Wirtschaftssystems.


Zur Entstehung des Methodensets

„Endlich Wachstum“ entstand als Gemeinschaftsprojekt des Konzeptwerks Neue Ökonomie e. V. (Leipzig) und FairBindung e. V. (Berlin). Die Kooperation begann 2012 mit dem ersten Heft „Endlich Wachstum!“. Seit 2018 wird die Plattform vom Konzeptwerk weitergeführt. Einige Methoden zu Digitalisierung wurden in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie Attac entwickelt. Einige Methoden zu Gutes Leben wurden in Kooperation mit radix e.V. entwickelt. Dies ist in den jeweiligen Methoden so vermerkt.

Alle Methoden wurden erprobt, reflektiert und weiterentwickelt. Dabei steht eine machtkritische Perspektive im Mittelpunkt, die globale Gerechtigkeit als Querschnittsthema versteht. Die Weiterentwicklung der Methoden ist ein fortlaufender Prozess – eng verbunden mit unserem eigenen individuellen und kollektiven Lernen.


Wer wir sind

Die Überarbeitung der Methodenplattform in 2023/24 fand durch ein Team von 9 Personen statt: Arratz Stammen, Caro Hoffmann, Christoph Sanders, Max Bömelburg, Maló Wawerda, Nadine Kaufmann, Nora Peulen, Pia Rodriguez, Sulca Ariza. Seither pflegen Nora Peulen, Nadine Kaufmann und Maló Wawerda die Plattform. Die Mitglieder des Teams haben unterschiedliche Positionierungen im Hinblick auf gesellschaftliche Machtpositionen, etwa Gender, Herkunft, Sprache, Race, Class, Bildungsweg, Neurodivergenz.

Gesellschaftliche Positionierungen prägen, wie wir die Welt wahrnehmen und welche eigenen Perspektiven wir entwickeln. Unsere unterschiedlichen Positionierungen und damit einhergehende Perspektiven fließen in die Erarbeitung der Methoden ein.

Mit dieser Methodensammlung wollen wir wachstums- und machtkritische Perspektiven auf Klimakrise und globale Gerechtigkeit stärken und marginalisierte Sichtweisen sichtbar machen. Wenn wir über globale Gerechtigkeit sprechen, bestehen immer Lücken und Verzerrungen, die durch die jeweilige eigene Perspektive entstehen. Um dem entgegenzuwirken, haben wir an vielen Stellen versucht, verschiedene Perspektiven einzubinden, auch über das Team hinaus – z.B. durch regelmäßige Beratungs- und Feedbackgespräche durch externe Akteur*innen im Methodenentwicklungsprozess, sowie durch die direkte Mitgestaltung von Materialien der Methoden.

Ein großes Dankeschön geht an alle, die diesen Prozess an der einen oder anderen Stelle begleitet haben, durch Impulse, kritisch-konstruktives Feedback und Beiträge verschiedenster Form.

Über Feedback freuen wir uns! Meldet euch dazu gerne bei uns unter bildung@knoe.org.